Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

FrageSeit knapp 3 Jahren bin ich für meinen Arbeitgeber – ein Maschinenbaukonzern mit Schwerpunkt – in China eingesetzt. Dort leite ich als Produktionsmanager ein Fertigungsteam und bin verantwortlich für die technische Führung und den weiteren Ausbau des Standortes.

Es ist mein erster Arbeitgeber, bei dem ich gleich nach meinem Studium eine gute Einstiegschance fand und in den Jahren vor meinem Wechsel nach China wertvolle  Erfahrung als Projektingenieur / Projektleiter sammeln konnte.

Nun würde ich in absehbarer Zeit aus privaten Gründen gerne nach Deutschland zurückkehren und habe folgende Überlegungen angestellt:

Mein aktueller Arbeitgeber rechnet damit, dass ich noch weitere zwei Jahre vor Ort in China tätig bin. Deshalb gibt es für mich in absehbarer Zeit keine konkrete „Rückkehrplanung“ in mein aktuelles Unternehmen. Nach meiner Einschätzung wäre vermutlich auch niemand begeistert, wenn ich meinen Wunsch zum Ausdruck brächte. Ist es vor diesem Hintergrund denn ratsam, mich dort auf intern ausgeschriebene Positionen zu bewerben?

Lieber würde ich mich komplett neu orientieren und den Arbeitgeber wechseln. Ich bin 43 Jahre alt und gehe davon aus, am deutschen Arbeitsmarkt gute Chancen für einen Einstieg auf oberer Führungsebene vorzufinden.

Was wäre denn Ihrer Meinung nach der klügste und sinnvollste Weg, meinen Plan in die Realität umzusetzen?

 

Sehr geehrter Fragesteller,

da sprechen Sie ein „heißes Eisen“ an: Viele der sogenannten Expats überraschen Ihre Arbeitgeber mit Ihrer – durchaus planmäßigen – Rückkehr ins Mutterunternehmen! Leider wird die Reintegration  häufig nicht bis zu Ende durchdacht – wobei ich damit nicht sagen will, dass mir die Schwierigkeiten in diesem Prozess nicht bewusst sind: Das Unternehmen verändert und entwickelt sich ständig, und man kann eine bestimmte Funktion nicht für einen Mitarbeiter, der in x Monaten aus dem Ausland zurückkehrt, „aufheben“. Aber das ist ein anderes Thema und betrifft die reguläre Rückkehr nach einem Auslandseinsatz.

In Ihrem Fall reden wir ja von einem vorzeitigen Rückkehrwunsch. Ihre Idee, sich einfach auf Vakanzen im internen Stellenmarkt zu bewerben, halte ich eher für kontraproduktiv und wenig zielführend. Wir sollten davon ausgehen, dass die Vernetzung über die HR-Abteilungen gut funktioniert und schnell klar wird, dass sich da anderswo im Unternehmen eine nicht leicht zu füllende Lücke auftut, wenn man Ihre interne Bewerbung weiter verfolgt. Damit will ich nicht sagen, dass ein solcher Schritt nicht denkbar wäre – aber ich würde ihn nicht unangekündigt und ohne Wissen der maßgeblich Beteiligten vollziehen.

 

Bleibt die Option „Ich orientiere mich gleich und sofort um und suche mir einen neuen Arbeitgeber.“ Eines ist sicher: Es wird nicht einfach werden, sich vom doch relativ weit entfernten Ausland aus zu bewerben und den Prozess zielgerichtet zu verfolgen – man kann halt nicht eben mal in ein, zwei Stunden mit dem Flugzeug zum Gespräch anreisen. Sicher, zum Start und zum gegenseitigen ersten Kennenlernen geht das alles auch via Skype oder mit anderen Videokonferenz-Tools. Wenn es jedoch konkreter wird, kommt man am persönlichen Meeting nicht vorbei. Speziell in Führungspositionen ist es enorm wichtig, dass die Chemie im Management stimmt, und das lässt sich nur im Face-to-face-Gespräch herausfinden. Nur mal angenommen, Sie bewerben sich und haben dann bei drei verschiedenen Unternehmen die Option eines Vorstellungsgespräches: Wie kriegen Sie das unter einen Hut? Meist wollen die Firmen nicht monatelang warten, bis Sie vielleicht ohnehin mal wieder in Deutschland wären. Zudem werden die Termine wohl kaum so nah beieinander liegen, dass man das mit einer Woche Urlaub hinkriegen kann. Dann verschiebt sich bei den Unternehmen ja auch gerne kurzfristig mal ein Termin. Kann das alles klappen? Setzen Sie sich da vielleicht nicht zu stark unter Druck mit Ihrem Vorhaben?

 

Ich persönlich würde zu folgender Variante neigen: Sprechen Sie Ihren Wunsch bei Ihrem Arbeitgeber offen an. Einigen Sie sich mit ihm auf eine für beide Seiten akzeptablen Verbleib vor Ort in China – vielleicht eine Zeitspanne zwischen 6 und 12 Monaten. Das ermöglicht Ihrem Unternehmen a) einen Nachfolger für Sie zu finden, den Sie im besten Fall auch noch anfänglich einarbeiten können und b) Ihnen eine adäquate Vakanz in Deutschland anbieten zu können.

Und wer weiß – vielleicht ergibt sich ja wirklich eine durchaus attraktive Möglichkeit für Sie?

Sollte das nicht der Fall sein, können Sie dann aber in aller Ruhe und von Ihrer „Home-Base“ aus die Fühler am deutschen Arbeitsmarkt ausstrecken und eruieren, wer für Sie eine neue, spannende Herausforderung bereit hält.

 

Und noch ein Wort zum Thema „Obere Führungsebene“: Es ist richtig, der Arbeitsmarkt gibt für Ingenieure momentan viel her. Dennoch erlebe ich es so, dass die Unternehmen bzw. die verantwortlichen Manager sagen: „Wir wollen den neuen Mitarbeiter erst einmal kennenlernen. Wir bieten ihm eine gute Einstiegsmöglichkeit mit einer klaren Entwicklungsperspektive. Zunächst einmal muss er sich aber auch bei uns beweisen und zeigen, was er kann.“ Da wird schon einmal länger nach dem oder der richtigen Person gesucht – man will sich hier keine Fehlbesetzungen, verbunden mit häufigem Wechsel, erlauben.

Bedenken Sie bitte: Sie wechseln in eine völlig neue Unternehmenskultur, Sie müssen Ihr Netzwerk neu aufbauen, Sie übernehmen neue Verantwortungsbereiche. Vielleicht bietet man Ihnen zunächst einmal Aufgaben an, die Sie momentan eher als „Side-step“ empfinden. Aber: Nehmen Sie zu all den genannten neuen Punkten auch noch ein Plus an Führungsverantwortung und was sonst noch alles dranhängt… da wird das Wasser sehr schnell eiskalt, in das man da springt! Ein sanfter Einstieg mit vergleichbarem Portfolio und passender Perspektive ist manchmal zielführender, weil Sie schneller punkten und Erfolge verbuchen können.

 

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:  „Ich bin 33 Jahre alt und habe Elektrotechnik studiert. Seit nunmehr fünf Jahren arbeite ich als Projektingenieur bei meinem ersten Arbeitgeber, einem größeren mittelständischen Unternehmen mit zirka 450 Mitarbeitern. Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken eines Wechsels – und zwar in Richtung eines internationalen Konzerns. Hiervon erwarte ich mir neue Herausforderungen und langfristig bessere berufliche Perspektiven. Denn in der Zwischenzeit wird mein beruflicher Alltag von vielen Routinetätigkeiten beherrscht. Ich habe gleichzeitig das Gefühl, dass sich mir bei meinem aktuellen Arbeitgeber keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr bieten.

Sind die Hoffnungen, die ich mit einem Wechsel verknüpfe, Ihrer Einschätzung nach begründet? Und ganz grundlegend: Wie sollte ich vorgehen, damit der Wechsel zeitnah klappt?“

 

Sehr geehrter Fragesteller,

Sie sind also in Ihrem ersten Job nach dem Studium tätig – über Branche bzw. Produkte sagen Sie nichts Näheres (vermutlich aus Vorsicht), das ist aber auch bei dieser grundsätzlichen Fragestellung nicht unbedingt erforderlich. Als Projektingenieur haben Sie vermutlich in Ihrer Tagesarbeit die Anforderungen und Eigenheiten der Kunden kennen gelernt und wissen, wie man am besten damit umgeht; Sie können Termindruck managen und verschiedene Bälle gleichzeitig jonglieren. Im Grunde macht Ihnen Ihre Aufgabe Spaß – es ist nur ein wenig „die Luft raus“ und mehr Alltag und Routine eingekehrt.

 

Von einem Wechsel in Richtung internationaler Konzern erwarten Sie sich neue Herausforderungen – die werden Sie dort auch sicherlich vorfinden. Aber nicht nur in Form neuer fachlicher Aufgabenstellungen, sondern auch im Hinblick auf Unternehmenskultur, -verständnis und -politik. Während Sie in mittelständischen Betrieben häufig  schon nach kurzer Zeit mehr Verantwortung und ein breiteres Aufgabenspektrum übernehmen (vorausgesetzt Sie haben bewiesen, dass Sie dazu in der Lage sind), herrschen in Konzernen andere Regeln sowie klar definierte Hierarchien, an die man sich zu halten hat. Das muss man sich bei einem solchen Wechsel vergegenwärtigen. Langfristige Entwicklungsperspektiven wird es in Konzernen vermutlich mehr geben – allein schon aufgrund der Unternehmensgröße und der Produktvielfalt. Oft auch die Möglichkeit, Erfahrung an einem Auslandsstandort zu sammeln. Es bieten sich spannende Aufgabenfelder – wenn man bereit ist, sich an die Spielregeln zu halten.

Früher sagte man auch, beim Mittelständler arbeitet man stärker regional, es fehlt an Internationalität. Das trifft mittlerweile nicht mehr so zu – im Gegenteil, heute positionieren sich viele mittelständische Firmen in ihrer Nische als innovativer Marktführer.

 

Sie merken schon – es gibt viele Pros und Contras für beide Bereiche. Die gilt es sorgfältig abzuwägen, denn Ihr nächster beruflicher Schritt ist ein wichtiger und richtungsgebender Meilenstein auf Ihrem Karriereweg. Natürlich ist ein Jobwechsel immer verbunden mit einem gewissen Risiko. Aber andererseits ist es auch spannend und motivierend, sein erworbenes Know-how in neuem Kontext einzusetzen, Erfolgserlebnisse zu verbuchen und Akzeptanz zu ernten. Und es macht Spaß, seine Flexibilität unter Beweis zu stellen, sich eine neue Arbeitswelt zu erschließen und neue Menschen kennen zu lernen.

 

Routine wird sich früher oder später immer wieder ein Stück weit einstellen. Das nur negativ zu  belegen wäre auch nicht richtig, denn es bedeutet ja auch: Ich beherrsche meine Aufgabe sicher und habe mir in meinem Gebiet Kompetenz und Erfahrung angeeignet.

Die Frage ist, was für ein „Typ“ Sie sind und was Ihnen mehr liegt: Der eher pragmatische, flexible und stärker hands-on-geprägte Mittelstand, oder die strukturierte und meist klar definierte Konzernwelt. Im Zweifel sollten Sie einfach beides kennenlernen um das herauszufinden!

 

Noch ein Wort zum Thema „bessere berufliche Perspektiven“: Da kommt es natürlich auch sehr darauf an, in welche Richtung Sie sich entwickeln möchten. Sind Sie der Experte, der fachlich in die Tiefe geht und als technischer Ansprechpartner für Kollegen und Geschäftspartner fungiert, der auf Produktqualität achtet und die Terminschiene im Auge hat? Oder sehen Sie sich eher als Generalist – mit guter fachlicher Basis, aber eher in einer Managementaufgabe mit disziplinarischer und betriebswirtschaftlicher Verantwortung?

Im ersten Fall wäre Ihnen sicher der Pfad einer fachlichen Führungsrolle näher, wie zum Beispiel die eines Projektleiters, später dann auch CoC- oder Fachbereichsleitung. Als Generalist – gerne mit Kundenaffinität – steht Ihnen die Entwicklung in eine Team-, Gruppen- und Abteilungsleitung offen. Aber: hier sollte man kritisch reflektieren, Führung ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Zum Beispiel: Habe ich früher schon gerne den Lead übernommen, beispielsweise beim Sport oder während des Studiums?

Die Entscheidung „Fachliche oder Management-Entwicklung“ sollten Sie unabhängig von der Wahl Ihres künftigen Unternehmens treffen. Da hören Sie am besten in sich rein: was sagt Ihr Bauchgefühl, wo liegen Ihre Neigungen, womit fühlen Sie sich wohl, wo haben Sie bisher gute Erfahrungen / Erfolge sammeln können?

 

Wenn Sie sich konkret für einen beruflichen Wechsel entschieden haben, sollten Sie sich folgende Schritte überlegen:

  • Auf jeden Fall brauchen Sie einen aussagekräftigen Lebenslauf.
  • Screenen Sie den Stellenmarkt nach passenden Positionen. Auch die Homepages von eventuellen Wunschunternehmen können sich hier als ergiebig zeigen.
    Dabei bitte auch auf die Region / den Arbeitsort achten, falls Sie nicht umziehen wollen oder können.
  • Lassen Sie sich „finden“, indem Sie Ihr Profil in einschlägige Portale (z. B. XING, LinkedIn o.ä.) einstellen, und nutzen Sie soziale Netzwerke um u. a. Headhuntern zu zeigen, dass Sie wechselwillig sind (das geht auch anonym).
  • Setzen Sie sich ein zeitliches Limit (z. B. die nächsten 6 Monate), in dem der Wechselprozess stattfinden sollte (Achtung – die Kündigungsfrist kommt noch on top!), und planen Sie für den Suchprozess / die Bewerbungsphase genügend Zeit ein, die Sie dafür investieren müssen.

 

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und ein glückliches Händchen bei der Wahl Ihres neuen Arbeitgebers.