Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

“Seit fünf Jahren bin ich als Softwareentwickler bei einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt, das IT-Lösungen im Bereich Automatisiertes / Autonomes Fahren und Fahrerassistenzsysteme anbietet. Schon während meines Informatikstudiums habe ich hier ein Praktikum absolviert, war als Werkstudent tätig und habe schließlich auch hier meine Diplomarbeit geschrieben. Dadurch ergab es sich fast selbstverständlich, dass ich unmittelbar nach meinem Studium im gleichen Unternehmen ins Berufsleben eingestiegen bin. Meine Arbeit ist vielseitig, nie langweilig und macht mir nach wie vor Spaß. Trotzdem regt sich seit längerem bei mir ein Bauchgefühl, als hätte ich etwas versäumt: Andere Kommilitonen haben nach ihrem Studium zunächst einmal ein „Work&Travel“-Jahr eingelegt und viel von der Welt gesehen. Ich bin übergangslos in den Job gestartet. Ich wünsche mir ein Sabbatical, eine berufliche Auszeit von 6 -12 Monaten, in der ich meinen Traum von einer Motorradreise durch Südamerika verwirklichen kann. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ denke ich mir oft und habe die Befürchtung, dass ich meinen Plan nicht zu lange hinausschieben sollte, weil ich ihn dann vielleicht nicht mehr realisiere.

Mein Arbeitgeber ist wohl eher nicht in der Lage, mir meinen Arbeitsplatz über einen solchen Zeitraum hinweg zu garantieren. Ich müsste vermutlich kündigen und danach einen Neustart wagen, vielleicht wieder bei der alten Firma, oder wo auch immer.

Wie sehen Sie diese Situation: Ist das Risiko groß, nach dem Sabbatical in Erklärungsnot zu kommen, warum man das getan hat, und dadurch auf Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg zu stoßen?”

 

Hallo lieber Fragesteller,

 

eine spannende Idee, die Sie da im Kopf haben! Und ganz klar ist so ein Plan immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Aber wer nicht wagt… ! Ich kann mir vorstellen, in Ihrem Fall ist das Risiko noch ganz gut überschaubar.

Damit will ich nicht zum allgemeinen Sabbatjahr aufrufen, ganz im Gegenteil. Eine solche Entscheidung muss dem jeweiligen Menschen, seiner Lebenssituation und seiner Persönlichkeit entsprechen und angemessen sein. Bei Ihnen hört man die Sehnsucht heraus, ihren gefassten Plan nicht nur zu träumen, sondern in die Tat umzusetzen.

Ich gehe davon aus, dass Sie noch „frank und frei“ sind – also ungebunden und ohne familiäre Verpflichtungen, denn dann gäbe es noch wesentlich mehr zu bedenken.

Wichtig ist, dass Sie sich Gedanken über Ihre finanzielle Versorgung während und nach der Reise machen. Können Sie auch noch eine gewisse Zeit der Jobsuche überbrücken, ohne dass Sie gleich in Zugzwang kommen? Denken Sie auch daran, Ihre Kranken- und Sozialversicherungsfragen zu regeln.

Dass Sie sich körperlich auf einen solch fordernden und anstrengenden Trip vorbereiten, versteht sich von selbst.

 

Ihrer Schilderung entnehme ich, dass Sie Ihre Idee bisher noch nicht bei Ihrem Arbeitgeber vorgebracht haben. Sie nehmen schlicht an, Ihre Intention lässt sich nicht mit den Unternehmenszielen und Gegebenheiten vereinbaren. Natürlich ist ein Mittelständler hier in einer anderen / schwierigeren Ausganssituation als ein großer Konzern, der leichter Ausgleich und Überbrückung schaffen kann.  Dennoch: Überlegen Sie sich, ob Sie Ihr Projekt nicht doch an geeigneter Stelle zur Sprache bringen. Denn das Vorhaben wird natürlich einfacher, wenn man in den „sicheren Hafen“ zurückkehren kann. Zur Finanzierung gibt es hier unterschiedliche Modelle:

Der teilweise Gehaltsverzicht im Vorfeld, das Ansammeln von Überstunden auf einem Langzeitkonto, oder aber unbezahlter Urlaub. Vielleicht ist es ja überraschend einfach, in Ihrer Firma ein wenig Überzeugungsarbeit zu leisten und Akzeptanz für Ihr Projekt zu finden? Eine Idee dazu kann auch Eigenwerbung zum Imagenutzen des Unternehmens sein: Sie halten während Ihrer Tour den Kontakt zur Firma und zu den Kollegen, schreiben vielleicht einen Reiseblog oder ähnliches – hier tun sich viele verschiedene Möglichkeiten auf, die ein IT-affines Unternehmen vielleicht sogar gut für Branding-Zwecke nutzen könnte?! Wichtig ist, dass Sie mit einem konkreten Plan und klaren Vorstellungen auf Ihren Arbeitgeber zugehen. Mit nebulösen Aussagen werden Sie nicht ernst genommen und rasch scheitern.

 

Die zweite Variante – nämlich der Start bei einem neuen Arbeitgeber nach Ihrer Auszeit – hat allerdings auch ihren Charme und bietet gleichzeitig die Chance, völlig neue Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln.

Sie kommen vermutlich von Ihrer Reise auch ein Stück weit als anderer Mensch zurück – da könnte es sein, dass Sie sich dadurch in Ihrer alten Firma gar nicht mehr so richtig wohl und heimisch fühlen?

Entscheiden Sie, welche dieser beiden Szenarien für sie das wahrscheinlichere sein kann.

 

Nun zur Frage, wie Sie am besten die „Lücke“ in Ihrem Lebenslauf darstellen und erklären. Meine Meinung dazu: Sie sollten das Sabbatical auf alle Fälle thematisieren und nicht irgendwie verschleiern oder unter den Tisch kehren. Die Zeiten, in denen so etwas ein KO-Kriterium war, sind definitiv vorbei.

Die Unternehmen erkennen heute durchaus an, dass man mit einem solchen Projekt viele Skills ausprägt und dazu gewinnt, wie: Eigenständigkeit, Eigenverantwortung, Flexibilität, Kreativität. Dann natürlich Kommunikation, in mehreren Sprachen und auf internationaler Ebene. Rasches Sich-Einstellen auf fremde / andere Kulturen und Mentalitäten.

Wenn man sein Sabbat-Projekt entsprechend plastisch darstellt, sprich: Was hat man gemacht, wann – wie lange – mit welchen Zwischenzielen, und welchen persönlichen Gewinn hat man daraus gezogen, kann das durchaus eine Bereicherung des CVs darstellen. Denn: Ein solcher Schritt zeugt ja auch von Mut, Entschlussfreudigkeit und Willenskraft. Nicht jeder würde sich auf diese Weise aus seiner Komfortzone herausbewegen!

 

Meine Empfehlung in Ihrem individuellen Fall: Ich kann verstehen und nachvollziehen, dass Sie diesen Ihren Wunsch in die Tat umsetzen wollen. Und vermutlich würden Sie es auch in einigen Jahren bereuen, wenn sie es nicht tun. Ich denke nicht, dass Sie große Anschlussprobleme nach Ihrer Auszeit haben werden, wenn Sie etwas Puffer mit einplanen. Ihr Wissen und Können wird nach wie vor gefragt sein, und wenn Sie sich etwas up to date halten, sollte sich das auch nicht ändern. Kleine Einschränkung meinerseits: 6 – 8 Monate sind etwas überschaubarer und besser planbar als ein ganzes Jahr!

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

“ich verfolge Ihre Beratung schon einige Zeit. Nun möchte ich mit einem eigenen Anliegen auf Sie zukommen: Bisher hat mir meine Arbeit gut gefallen; sie hat mich ausgefüllt und mir Spaß gemacht. Die Stimmung war gut, Teamwork hat bestens funktioniert. Das ist nun seit mehr als einem halben Jahr Schnee von gestern: Neuer Abteilungsleiter, Control-Freak, der Micro-Management betreibt, alles hinterfragt und jedem irgendwie misstrauisch begegnet. Keine offenen Türen mehr, man unterhält sich nur noch flüsternd oder hinter vorgehaltener Hand. Zwei meiner Kollegen sind schon gegangen, ein dritter schaut sich gerade nach etwas Neuem um.

Ich bin mittlerweile so sauer, dass ich lieber heute als morgen alles hinschmeißen und einfach kündigen möchte, dann tief durchatmen und mir in Ruhe etwas Neues suchen.

Was halten Sie von meinem Vorhaben? Ach ja – ich bin 33 Jahre alt, ungebunden und als Fertigungsplaner bei meinem ersten Arbeitgeber nach dem Maschinenbau-Studium tätig.”

 

Sehr geehrter Fragesteller,

 

das hört sich aber nach stark überschrittenem Frustrationspegel an! Natürlich ist das eine äußerst

prekäre Situation für Sie; aber bitte behalten Sie dennoch einen kühlen Kopf. Lassen Sie uns einmal gemeinsam überlegen und analysieren:

Sie sind jung und bisher noch ohne familiäre Verpflichtungen. Eventuell sind Sie ja auch mobil und können den Wohnort wechseln. Sie haben fundierte Berufserfahrung gesammelt und Ihren Job vermutlich nicht schlecht gemacht. Da wäre doch ein Wechsel nach geschätzten 5-6 Jahren Berufserfahrung ohnehin eine attraktive Option!

Allerdings gilt als oberste Priorität: Bitte nicht „alles hinschmeißen“, wie Sie so deutlich formulieren. Handeln Sie überlegt und umsichtig, und legen Sie hier keine übereilte Flucht hin, die Ihnen für die Zukunft nur Nachteile einbringen wird. Ganz ehrlich: „Hauptsache weg“ kann keine kluge Devise für einen sinnhaften Jobwechsel sein – sehen Sie das nicht auch so?

 

Hinterfragen wir zunächst nochmal Ihre aktuelle Situation:

  • Gibt es für Sie die Option, über eine interne Veränderungsmöglichkeit nachzudenken? Besteht diese Möglichkeit in Ihrem Unternehmen überhaupt? Ich bringe diesen Punkt deshalb ins Spiel, weil – und ich weiß, ich wiederhole mich – eine berufliche Wechselentscheidung gut und reiflich überlegt sein will.
  • Denken Sie bitte auch darüber nach, was Sie aufgeben, wenn Sie kündigen. Das mag Ihnen im ersten Moment nicht so erscheinen, weil Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz nicht mehr wohlfühlen. Aber halten Sie sich bitte auch die „hard facts“ und Ihre Rahmenbedingungen vor Augen, damit Sie später nicht enttäuscht sind, wenn Sie gewisse Konditionen nicht 1:1 woanders wiederfinden.

 

Ein Jobwechsel bedeutet vor allem eins: Viel Aufwand, viel Mühe und ein hoher Zeitinvest.

Da könnte man denken: Ein Argument mehr, erst einmal zu kündigen und sich dann in Ruhe diesem Projekt widmen. Aber leider muss ich auch hier wieder warnen: Es wird Sie sehr viel Erklärungsaufwand kosten, Ihren Partnern in den Vorstellungsgesprächen darzulegen, weshalb Sie so übereilt „die Brocken hingeworfen“ haben. Dabei ist viel Sensibilität und Diplomatie gefragt, sonst gibt es nur die eine

 

Schlussfolgerung beim potenziellen neuen Arbeitgeber: „Wenn der das einmal gemacht hat, wird er sich bei uns bei der ersten Schwierigkeit vielleicht ähnlich verhalten, womit Mühe und Aufwand bei der Einarbeitung umsonst wären.“

Auch der derzeitige Fachkräftemangel verleitet leicht zu falschen Schlüssen: Die Unternehmen überlegen nach wie vor sehr genau, wen sie sich an Bord holen, und ob der Bewerber nicht nur durch sein Knowhow überzeugen kann, sondern auch von seiner Persönlichkeit her ins Team und zur Unternehmenskultur passt.

 

Und bitte nicht ganz außer Acht lassen: Das Risiko, dass eine solche Spontankündigung einen unglücklichen Verlauf nimmt, ist latent da. Man sollte deshalb auch den „worst case“ beleuchten und sich darüber klar werden:

  • Kann ich eine Arbeitslosigkeit kurzfristig überbrücken? Denn wenn sie selbst kündigen, sind Sie ja zunächst für einen gewissen Zeitraum beim Arbeitslosengeld gesperrt.
  • Was tue ich, wenn ich in der vorgesehenen Zeitspanne keine neue Beschäftigung finde?

 

Werden Sie sich über die folgenden Punkte klar:

  • Eine berufliche Veränderung kostet viel Vorbereitung, Zeitaufwand und Disziplin und will daher wohl überlegt und geplant sein
  • Der Bewerbungsprozess und die damit verbundenen Vorstellungsgespräche sind kein Pappenstiel, man wird auf den Punkt gefordert, muss gut vorbereitet sein und sich authentisch präsentieren können
  • Ein „Masterplan“ zur Jobsuche sollte folgende Antworten enthalten:
    • Welche Position / welche Aufgabenstellung strebe ich an?
    • In welchen Branchen macht es für mich Sinn, mich umzusehen?
    • Welche Arbeitgeber kommen in Frage?
    • Welche Region will ich als mein Zielgebiet abstecken?
    • Welche Konditionen sind mein Verhandlungsspielraum?

 

Übrigens: Haben Sie sich anlässlich des Wechsels Ihres Vorgesetzten eigentlich ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen? Das wäre natürlich äußerst nützlich, zumal der aktuelle Chef Ihre Arbeitsleistung ja noch gar nicht entsprechend einschätzen kann.

Kleiner Tipp hierzu: Ansonsten ist die Beantragung eines Zwischenzeugnisses immer ein „Wink mit dem Zaunpfahl“ fürs Unternehmen, dass der betreffende Mitarbeiter dabei ist, sich neu zu orientieren. Eventuell hilft Ihnen das ja doch noch weiter bei Ihrer jetzigen Firma, sozusagen als „Wake-up-Call“, und man setzt sich zusammen mit HR an einen Tisch und diskutiert über vorhandene Möglichkeiten.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will Ihnen einen Jobwechsel nicht ausreden – als Personalberaterin lebe ich schließlich davon! Ich möchte Ihnen lediglich die Stolpersteine aufzeigen und Sie vor allzu viel Emotionalität schützen.

 

Wenn Sie sich jedoch nicht ganz sicher sind, welcher Weg für Sie der Beste ist, rate ich Ihnen sehr zu einem Gespräch mit einem kompetenten Coach. Dort hilft man Ihnen bei der Standortbestimmung und entwickelt gemeinsam mit Ihnen einen roten Faden und die individuelle Vorgehensweise.  Gerne kann ich Ihnen hier einige Adressen nennen.

Alles Gute und viel Glück,

Ihre Hilde Freund

 

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

“Seit mehreren Jahren trete ich in meinem Job nun schon auf der Stelle. Ich arbeite als Elektroingenieur im Bereich Fahrwerkentwicklung in einem Unternehmen mit ca. 4.000 Mitarbeitern. Mein Job hat mir bisher wirklich Spaß gemacht, und ich konnte mir umfassendes Fachwissen im Umfeld der Leistungselektronik aneignen. Parallel zur Projektarbeit leite ich auch ein „Center of Competence“ für Automatisierte Fahrfunktionen. Doch seit mehr als zwei Jahren verändern sich meine Aufgaben so gut wie gar nicht mehr. Ehrlich gesagt fühle ich mich mittlerweile dadurch auch unterfordert und leicht frustriert bis unmotiviert. Manchmal denke ich mir morgens: „Gehst Du wirklich noch gerne in die Arbeit?“ Diese Anzeichen geben mir zu denken und ich frage mich, ob ich nicht einen radikalen Schnitt machen und mir einen anderen Arbeitgeber samt neuer, herausfordernder Aufgabe suchen soll, verbunden mit einem Karriereschritt. Wie sind Ihre Erfahrungen zu diesem Thema?”

 

Sehr geehrter Fragesteller,

 

das sind tatsächlich konkrete und massive Anzeichen einer Karrieresackgasse. Speziell Ihre Überlegungen, ob Ihnen Ihr Job noch Spaß macht, interpretiere ich als warnendes Ausrufezeichen: Es muss ich etwas ändern!

Aber lassen Sie uns die Situation ruhig und überlegt angehen. Ein „radikaler Schnitt“, wie Sie es nennen, darf nie aus einem Frustgefühl heraus geschehen, sondern soll gut geplant erfolgen.

Erster Schritt: Versuchen Sie konkret zu analysieren: Woran kann es liegen, dass ich nun schon so lange in meiner aktuellen Position „hängenbleibe“? Werde ich übergangen? Sind Kollegen auf gleichem Level, die vielleicht noch nicht so lange im Unternehmen sind, an mir vorbeigezogen?

Werden meine Ideen abgelehnt? Habe ich überhaupt die Chance, meine Vorschläge einzubringen und vorzustellen?

Schritt zwei: Halten Sie sich doch einmal genauer Ihre bisherige Leistung vor Augen, visualisieren Sie Ihre zehn wichtigsten beruflichen Erfolge in den vergangenen Jahren. Sie werden überrascht und vor allem stolz sein, wie weit Sie gekommen sind und was Sie bereits erreichen konnten! Mit diesem Selbstbewusstsein lässt sich der Weg einer beruflichen Veränderung – egal ob intern oder extern – wesentlich leichter beschreiten als mit einer frustrierten, unmotivierten Einstellung.

 

Mir drängt sich hier ein ganz bestimmter Gedanke auf: Besteht die Möglichkeit, dass Ihr Chef der Verursacher Ihres Karrierestillstandes sein kann? Ich komme darauf, weil Ihre Jobbeschreibung sich für mich so anhört, als wären Sie in seinem Team und seiner Abteilung ein wichtiger Knowhow-Träger und eine Schlüsselfigur. Hier könnte der Hase im Pfeffer liegen: Sie sind zu gut! Dieses Schicksal ereilt so manchen Leistungsträger; Ihr Vorgesetzter braucht Sie und Ihr vielschichtiges Wissen an genau dieser Stelle; darum will er Sie nicht ziehen lassen. Es heißt nicht umsonst „Never change a winning team“ – aber leider kann sich eine solche Konstellation auch zum goldenen Käfig entwickeln. Vermutlich war bereits Ihr „Job Enrichment“ zum CoC-Leiter eine Maßnahme in diese Richtung: „Wir geben ihm etwas mehr Fachverantwortung und eine größere Spielwiese, damit er  nicht auf die Idee kommt, woanders hin wechseln zu wollen.“

 

Haben Sie sich in ihrem Unternehmen auch schon in anderen Abteilungen beworben? Und wurden Ihre Bewerbungen stets abschlägig beschieden? Auch das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Chef blockt.

Hier gibt es nur eine Lösung: Gehen Sie aktiv auf Ihren Vorgesetzten zu und suchen Sie das Gespräch mit ihm. Verdeutlichen Sie ihm Ihre Situation und wie Sie sich dabei fühlen. Legen Sie ihm Ihre Ziele dar und diskutieren Sie mit ihm, ob es vielleicht einen gemeinsamen Weg dorthin geben kann. Wenn er auf diese Weise merkt, wie ernst es Ihnen ist, muss er seine Verteidigungsposition aufgeben und zusammen mit Ihnen überlegen, welche Möglichkeiten es für Sie gibt.

 

Unter Umständen hatte Ihr Chef bisher auch die Befürchtung, dass Sie ihm mit einer Beförderung selbst gefährlich werden könnten, an ihm vorbei ziehen würden und letztlich eine Position einnehmen, die er für sich selber als nächsten Schritt eingeplant hat. Diese Angst lässt sich im Dialog neutralisieren. Machen Sie ihm klar, dass es Ihnen überhaupt nicht darum geht ihn zu überholen, sondern wieder mehr Spannung und Attraktivität in Ihre Tätigkeit zu bringen. Wenn er klug ist, wird er verstehen, dass es geschickter ist, Sie und Ihr Knowhow im Unternehmen zu behalten und wird Sie in Ihren Bemühungen fördern und unterstützen.

 

Lassen Sie uns auch noch die Unterschiede eines internen oder externen Wechsels beleuchten:

Je nachdem wohin für Sie intern die Reise gehen könnte, sollten Sie folgende Überlegung nicht außer Acht lassen: Eine Beförderung kann aus bisherigen Weggefährten auch Konkurrenten machen! Damit muss man umzugehen wissen. Generell müssen Sie für sich definieren, welcher Art Ihre Weiterentwicklung sein soll. Wo sind Sie gut, was sind Ihre Stärken? Liegt Ihnen das Thema Personalführung? Inwieweit haben Sie Spaß an betriebswirtschaftlichen Aspekten, sprich Budgetierung, Forecasting, Controlling? Hier sollte es im Nachhinein kein böses Erwachen geben.

 

Ein externer Wechsel bedeutet: Verlassen der vertrauten Komfortzone, kompletter Neuaufbau eines Netzwerkes, Erlernen wie das neue Unternehmen tickt, Vertraut machen mit der dortigen Kultur.

Die Konsequenzen eines solchen Stellenwechsels sind nicht zu unterschätzen und sollten ausreichend reflektiert werden. Aber: wenn Sie das Gefühl haben, sich zu sehr verbiegen zu müssen um im eigenen Unternehmen voranzukommen, sollten Sie lieber den Blick über den Tellerrand wagen und sich nach außen orientieren. Dort gibt es mit Sicherheit spannende Perspektiven für Sie.

 

Und noch etwas zum Schluss: Wenn Sie extern eine neue Herausforderung suchen und zu einem ersten Kennenlern-Gespräch eingeladen werden, bitte führen Sie NIE Frustration im aktuellen Job als Grund für Ihren Veränderungswillen an! Sie können sich sicher unschwer vorstellen, welche Schlüsse ein künftiger Arbeitgeber aus einer solchen Begründung zieht. Die Antwort auf diese Frage sollte „persönliche Weiterentwicklung“ lauten, was ja auch absolut der Wahrheit entspricht.

 

 

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

Frage: 

„Sehr geehrte Frau Freund,

ich bin ehrlich gesagt einigermaßen ratlos und schon leicht frustriert. Ich befinde mich zurzeit im beruflichen Veränderungsprozess, habe mich bereits auf diverse interessante Stellen beworben und wurde auch bereits mehrere Male zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Aber dann folgte bisher immer eine Absage – die jeweils ziemlich nichtssagend formuliert war. Ich frage mich jetzt wirklich: Wenn ich doch so gut auf das Profil passe, dass ich schon mal persönlich eingeladen werde – was mache ich denn dann im Gespräch scheinbar grundlegend falsch? Ich habe die Termine nochmals gedanklich Revue passieren lassen, aber mir fällt kein Punkt oder Thema auf, wo ich mich so negativ verhalten oder geäußert hätte, dass sich mein Gegenüber eine Zusammenarbeit nicht vorstellen kann. Haben Sie eine Idee oder einen Ansatzpunkt für mich, wie ich diese Hürde erfolgreich nehmen kann? Ich bin für alles offen und habe kein Problem mit konstruktiver Kritik!

Hier noch kurz ein paar Fakten: Ich habe Maschinenbau mit der Vertiefungsrichtung Fahrzeugtechnik studiert, mit gutem Erfolg abgeschlossen und bin nun seit gut 5 Jahren im Job als Projektleiter bzw. Program Manager. Wechseln will ich, weil mein Arbeitgeber (Kfz-Zulieferer) von einem größeren Marktbegleiter übernommen wurde und ich mich mit dem neuen Management und in den neuen Strukturen nicht mehr wohl fühle.“ 

 

Hallo lieber Fragesteller,

das ist wirklich eine vertrackte Situation für Sie, und ich kann Ihren Frust und die Enttäuschung sehr gut verstehen. Man fühlt sich hilflos, weil man so gar nicht weiß, wo man ansetzen und eventuell etwas verändern oder verbessern kann.

Gehen wir doch zunächst einmal die gängigsten Möglichkeiten durch: Woran ich bei Ihnen gleich gedacht habe ist, wie Sie wohl Ihre Wechselmotivation darstellen. Es gibt da ein wichtiges No-Go: Niemals schlecht über den jetzigen Vorgesetzten oder Arbeitgeber reden! Denn daraus folgert das neue Unternehmen: Wenn Herr XY das aktuell so macht, wird er sich, wenn er für uns tätig ist, aller Wahrscheinlichkeit ebenso verhalten. Das passt nicht zu uns, wir suchen loyale Mitarbeiter.“  Begründen Sie Ihre Jobsuche in kurzen klaren und möglichst objektiven Worten: Durch die Firmenübernahme haben sich die Entscheidungswege erheblich verschlechtert, Zuständigkeiten sind unklar und Prozesse ziehen sich über Gebühr in die Länge. Sie möchten diese Situation nicht über längere Zeit „aussitzen“, sondern sehen sie als Signal für eine persönliche Veränderung und Weiterentwicklung – in etwa so oder ähnlich.

Andere Punkte könnten sein: Das äußere Erscheinungsbild – ich gehe jetzt einmal davon aus, dass Sie sich hier an die üblichen Spielregeln (entweder Anzug, wahlweise mit Krawatte, oder die lässigere Variante Hose / Sakko / Hemd) halten. Und von Kopf bis Fuß tätowiert oder gepierct werden Sie vermutlich auch nicht sein, das können wir somit vernachlässigen. Eher sehe ich gewisse Stolpersteine in Ihrem Auftreten und der entsprechenden Außenwirksamkeit.

Die meisten Partner im Bewerbungsgespräch legen großen Wert auf Klarheit, Offenheit und „Authentizität“. Wenn ein Kandidat zu sehr herumdruckst, sich immer nur allgemein ausdrückt, bei seinen Antworten kaum die Ich-Form nutzt, sondern immer über „man“ und „wir“ redet, wir das negativ aufgefasst. Das kommt einfach zu schwammig rüber, ist in den Augen der Entscheider „nicht Fisch nicht Fleisch“. So jemand möchte man nicht unbedingt im Team haben, das ist kein Gewinn.

 

Äußern Sie Ihre Antworten klar und ruhig, suchen Sie den Blickkontakt, geben Sie plastische Beispiele aus Ihrem Berufsalltag und schildern Sie sachlich Ihre Handlungsweise: „Diese Situation habe ich de-eskaliert, indem ich…“ oder „Bei diesem Projekt habe ich zunächst einmal alle Beteiligten abgeholt und auf den gleichen Informationsstand gebracht, um Zuständigkeiten zu klären und Termintreue sicherzustellen.“ In diesem Stil etwa.

Ungut ist auch, wenn Ihr Gegenüber das Gefühl entwickelt, Sie weichen aus und drücken sich um Entscheidungen. In jedem Job und in jeder Position gibt es sensible Themen, in denen Transparenz und klare Worte gefragt sind – und das gilt nicht nur in Führungsaufgaben. Lassen Sie durchaus spüren, dass Sie Standing haben und auch mal Kante zeigen können, wenn es die Situation erfordert. Bleiben Sie dabei verbindlich und diplomatisch; die Holzhammer-Methode ist zu keiner Zeit angebracht.

Zu einem souveränen Auftreten gehört auch, dass man zugibt, wenn man etwas nicht weiß bzw. in einem bestimmten Gebiet nicht erfahren genug ist. Oft handelt es ich hier einfach um Tests des Fragestellers, der eingrenzen möchte, wo Sie ihre fachliche Heimat haben und sattelfest sind. Zu sagen „Damit hatte ich bisher nur am Rande zu tun und bin mir deshalb unsicher, hätte aber folgende Idee dazu…“ ist ein Ausdruck von Sicherheit und Souveränität, und nicht von Schwäche.

Und bitte vergessen Sie nicht: Auch die Unternehmen sind nicht unfehlbar in ihren Prozessen. Die Praxis zeigt – und damit meine ich jetzt nicht speziell Ihren Fall, sondern stelle das allgemein fest: nicht selten wird nur recht oberflächlich über die Bewerbungsunterlagen gelesen. Man findet die richtigen Schlagworte und denkt sich – „na, den können wir uns doch mal anschauen.“ Oder man ist gar nicht so wirklich überzeugt von der schriftlichen Bewerbung und hofft, der Kandidat präsentiert sich im persönlichen Gespräch besser und macht einige Schwachstellen durch seine Persönlichkeit wett. Das funktioniert aber nicht – denn in den meisten Fällen präsentiert sich der Mensch hinter der Bewerbung authentisch zu seinen Unterlagen. Was ich leider auch oft erlebe: Der Personalbereich hält den Bewerber für passend und lädt ihn zum Gespräch ein. Die Fachabteilung aber hat die Messlatte wesentlich höher gelegt und möchte einen neuen Mitarbeiter, der zu 100% deren Vorstellungen und Wünsche erfüllt. Auch das ist in der Regel Wunschdenken, und nach zahlreichen Vorstellungsgesprächen muss sich der Fachbereich schließlich selbst die Frage stellen, ob seine Erwartungen realistisch und am Markt durchsetzbar sind, oder ob nicht doch eine 80%-Lösung mit der Option „beim Rest investieren wir in den neuen Mitarbeiter und bringen ihm die fehlenden 20% bei“ die erfolgreichere wäre. Dadurch sind Stellen oft über viele Monate unbesetzt und werden immer wieder ausgeschrieben, was natürlich zur Verwunderung bei manchem Bewerber führt.

Hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht „überflutet“ mit den vielen möglichen Gründe und Optionen.  Gehen Sie die Möglichkeiten einfach der Reihe nach durch und haken Sie sie für sich ab. Versuchen Sie, „live“ Ihre Antworten zu formulieren und testen Sie sich im Selbstversuch. Je empathischer Sie hier agieren, desto größer ist die Chance dass der „Funke“ auf Ihr Gegenüber im Gespräch überspringt. Präsentieren Sie sich ehrlich, Schauspielerei wird von geübten Personalern schnell als solche entlarvt. Die richtige Stelle wartet noch auf Sie!

Ich drücke die Daumen und wünsche Ihnen gutes Gelingen und eine erfolgreiche Neuorientierung.

Ihre Hilde Freund

 

 

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

Ich möchte gerne meinen Arbeitgeber wechseln. Seit nunmehr sieben Jahren bin ich in der bei einem Automotive Zulieferer tätig. Mit einem Wechsel verbunden ist auch die Hoffnung auf eine Gehaltssteigerung. Dennoch tue ich mich schwer, einen konkreten Betrag anzugeben. In vielen Stellenangeboten wird dies ja bereits mit der Einreichung der Unterlagen gefordert. Wie soll ich mich hier verhalten? Von Natur aus bin ich eher zurückhaltend. Das Thema liegt mir nicht. Bis auf eine turnusmäßige Gehaltsanpassung hat sich da in den letzten Jahren nicht viel getan. Wenn ich dann noch an das Vorstellungsgespräch denke, in dem ich vielleicht sogar noch das geforderte Gehalt verteidigen muss, zieht sich mir schon der Magen zusammen. Was können Sie mir zu einem professionellen Verhalten in dieser Angelegenheit raten?

 

Sehr geehrter Fragesteller,

 

ich kann Ihr Bauchgrummeln gut verstehen. Glauben Sie mir: Der Mehrheit der Bewerber geht es genauso. Meine Erfahrung zeigt, dass Ingenieuren das sich selbst Präsentieren und Vermarkten nicht unbedingt in die Wiege gelegt ist – so exzellent sie diese Fähigkeit bei ihren Projekten und Entwicklungen auch oft beherrschen.

Aus Ihrer Beschreibung folgere ich, dass in den sieben Jahren Ihrer Firmenzugehörigkeit vermutlich keine großen Gehaltssprünge für Sie drin waren. Ich finde Ihr Ansinnen absolut legitim: Sie möchten sich verändern und weiter entwickeln, was durchaus auch mit einer Gehaltssteigerung einhergehen kann und sollte.  Es ist richtig, dass bereits in den Stellenausschreibungen häufig die Bitte nach Angabe einer Gehaltsvorstellung geäußert wird. Dieser Bitte nicht nachzukommen, ist für das suchende Unternehmen natürlich nicht sonderlich zufriedenstellend. Es nicht zu tun, kann also durchaus dazu führen, dass man gleich ein wenig aus dem Rahmen fällt, was nicht der beste Einstieg in den Bewerbungsprozess ist. Daher mein Ratschlag: Geben Sie wenn gewünscht hier eine erste Orientierungshilfe an. Tun Sie es nicht, wird es im Vorstellungsgespräch dadurch auch nicht einfacher, im Gegenteil.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach der Größenordnung Ihrer Angabe:  Welche Steigerung zum aktuellen Gehalt ist realistisch, ohne über das Ziel hinauszuschießen?

Das hängt ein Stück weit davon ab, ob Sie sich bei einem Großkonzern oder bei einem kleineren Mittelständler bewerben, und in welcher Region das Unternehmen angesiedelt ist. Man kann sich im Vorfeld zu diesem Thema einiges an Informationen beschaffen. Es gibt einschlägige Gehaltsstudien, beispielsweise vom VDI, der regelmäßig die Ingenieureinkommen veröffentlicht. Im Internet finden Sie weitere Quellen.

Im Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreis ist das Thema Salär ja oft ein No-go. Zumindest in Deutschland wird darüber nicht gesprochen, während es zum Beispiel in den USA ganz normal ist, sich gegenseitig nach dem Verdienst zu fragen.

 

Hier zwei  konkrete Beispiele, wie Sie diese Frage im Bewerbungsanschreiben beantworten können:

„Mein aktuelles Jahresgehalt liegt bei EUR xy p. a. Darauf basierend würde ich gerne mit Ihnen in die Verhandlung treten.“ (Damit signalisieren Sie, dass Sie mit einer adäquaten Steigerung rechnen.)

„Als Einstiegsgehalt stelle ich mir EUR xy p. a. vor. Darüber und über weitere Paketbestandteile wie Altersvorsorge etc. würde ich mich sehr gerne mit Ihnen im persönlichen Gespräch austauschen.“

 

Wenn Sie sich vollkommen unsicher sind, wie die Größenverhältnisse bei einer konkreten Position aussehen könnten, lässt sich auch folgender Ausweg finden: „Über weitere Themen wie Gehalts- und Einstiegskonditionen würde ich mich gerne mit Ihnen im direkten Dialog austauschen.“

 

Im Gespräch selbst müssen Sie dann auch in der Regel nichts „verteidigen“, sondern sachlich und überzeugend argumentieren, wie sich Ihre Gehaltsvorstellung begründet.

Mein Tipp: Werden Sie so konkret wie möglich, ohne tiefzustapeln, ohne Selbstüberschätzung und ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Beispiel: „Sollte ich bei Ihnen starten, ist diese Position ja auch mit mehr und größerer Verantwortung verbunden. Ich denke, dass mein Gehaltswunsch diesbezüglich und auf Grund meiner Expertise und fachlichen Kompetenz gerechtfertigt ist.“

Oder: „Sie suchen einen kompetenten Experten mit mehrjähriger Erfahrung im Bahnbereich. Diese Anforderungen kann ich definitiv erfüllen. Ich denke mein Gehaltswunsch ist marktkonform und rechtfertige das über mein Knowhow und meine hohe Motivation.“

Ich bin selbst in vielen Vorstellungsgesprächen mit anwesend, und meistens läuft das reibungslos ab: Der Bewerber äußert sein Wunschgehalt und erläutert diese Angabe. Seitens des potentiellen Arbeitgebers gibt es dann zwei Szenarien: Entweder man nimmt Ihre Aussage zunächst einmal kommentarlos mit in die weiteren Überlegungen, oder die Firma legt Ihnen dar, innerhalb welcher Parameter sich ein mögliches Paket für Sie darstellen kann. Das ist meine bevorzugte Variante, denn dann wissen beide Seiten schon einmal in groben Zügen, worauf es hinausläuft und der weitere Bewerbungsprozess kann klar und transparent ausgesteuert und fortgeführt werden. Kommt es dann um Abschluss eines Arbeitsvertrages, muss nicht nochmals umständlich nachverhandelt und angepasst werden.

 

Bei allem Taktieren in punkto Gehalt dürfen wir nicht vergessen: Dieses Thema ist zwar ein wichtiger, aber dennoch nur ein Teilaspekt einer Bewerbung. Sobald man sich einmal kennengelernt hat, sind Punkte wie die berühmte „Chemie“, die Unternehmenskultur und der Spirit, den die Menschen ausstrahlen, die Aufgabe an sich und die Perspektiven in der Zukunft oft ausschlaggebender für eine positive oder negative Entscheidung.

 

 

 

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

“Gerne möchte ich meine Situation und meine Zielsetzung von Ihnen einschätzen und beurteilen lassen: Ich habe Nachrichtentechnik studiert und bin seit nun einigen Jahren bei meinem Arbeitgeber – ein namhafter Systemanbieter in der Elektromobilität – als Entwicklungsingenieur für sicherheitskritische Software tätig. Nun wurde mir nach dieser relativ kurzen Zeit bereits eine Position als „Team & Project Lead“ angeboten. Durch meine aktuelle Tätigkeit kann ich sehr gut einschätzen, was das bedeutet; ich bin selbst Teil eines solchen international arbeitenden Projektteams, kenne die Komplexität dieser Aufgabe und weiß um die vielen Schnittstellen, die der Projektmanager sicherstellen und koordinieren muss; ich berichte ja selbst an einen solchen Teamleiter.

Natürlich ehrt es mich, dass mein Arbeitgeber mir dieses Angebot macht und mir den Job offensichtlich zutraut. Ich selbst bin mir aber noch nicht wirklich sicher, ob ich dieser Herausforderung mit gerade mal Anfang 30 bereits gewachsen bin und mich in dieses Abenteuer stürzen möchte. Die Kollegen in einer vergleichbaren Position um mich herum sind circa acht bis zehn Jahre älter. Aber letztlich hat jeder mal angefangen… nur: ist es für mich schon der richtige Zeitpunkt? Und was passiert, wenn ich das Angebot dankend ablehne? Komme ich dann auf eine „schwarze Liste“ und werde nie wieder gefragt, wenn es um Weiterentwicklung und spannende Aufgabenstellungen geht? “

 

Sehr geehrter Fragesteller,

Zuallererst: Kompliment an Sie für diese Überlegungen. Sie springen nicht blind ins eiskalte Wasser und sagen ohne Nachdenken ja zu dieser Möglichkeit. Sie reflektieren die Chancen und Risiken und wägen analytisch und nüchtern ab, welcher Weg für Sie der Richtige sein kann.

Die Rolle als Team- bzw. Projektleiter beinhaltet tatsächlich eine Menge an Verantwortlichkeiten. Als Projektverantwortlicher obliegt Ihnen meist die Einhaltung von Terminen, Qualität und häufig auch Kosten des jeweiligen Projektes, verbunden mit der fachlichen Führung der Teammitglieder. Nicht selten ist man in dieser Funktion auch der erste Ansprechpartner für Kunden und Lieferanten. In der Teamleiterrolle kommt dann noch die disziplinarische Verantwortung hinzu.  Insgesamt tatsächlich eine Menge an Themen und Schnittstellen, wie Sie ja selbst schon erkannt haben.

Betrachten wir die Situation doch von beiden Seiten und versetzen uns zunächst einmal in die Rolle Ihres Arbeitgebers: Die Position des Team- und Projektleiters ist vakant geworden, vermutlich durch einen Wechsel des bisherigen Stelleninhabers. Für Ihr aktuelles Unternehmen ist der Weg der internen Besetzung durch Sie natürlich der schnellere und einfachere. Sie stehen rasch zur Verfügung, sind bereits durch gute Arbeitsergebnisse aufgefallen, kennen die internen Abläufe und haben Netzwerke, auf die Sie zurückgreifen und aufbauen können.

 

Eine externe Suche wird Zeit in Anspruch nehmen, vermutlich wachsen Spezialisten mit dem geforderten Fachwissen plus Management-Ambitionen nicht auf den Bäumen. Dann muss der-/diejenige länger eingearbeitet werden, als das bei Ihnen der Fall sein wird. Zudem ist es ja wichtig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern Weiterentwicklungsperspektiven bieten, um Fluktuation und Knowhow-Verlust einzudämmen.
In Ihrem Fall ist es denke ich auf Seiten Ihres Arbeitgebers eine Mischung aus Beidem: Man hat den Bedarf, die Vakanz kurzfristig neu zu besetzen und man kann sich vorstellen, dass Sie diese Rolle stemmen und ausfüllen können.

Ihre Sicht der Dinge haben Sie ja bereits in Ihrer Fragestellung dargelegt. Als Coach sehe ich mich allerdings auch in der Pflicht, Ihnen dabei zwei kritische Aspekte aufzuzeigen: Kann es denn vielleicht sein, dass Sie sich in Ihrer aktuellen Aufgabenstellung sehr wohl fühlen und es Ihnen schwerfällt, genau diese Komfortzone zu verlassen, um auszuloten was sonst noch so alles an Fähigkeiten in Ihnen steckt? Oder haben Sie eventuell auch ein wenig „Angst vor der eigenen Courage“, stellen Ihr Licht unter den Scheffel und trauen sich selbst weniger zu als Ihre Umgebung das tut? Bitte hinterfragen Sie sich hier nochmals konkret und selbstkritisch.
Heutzutage wird ja viel von „Work-Life-Balance“ und „Downshifting“ gesprochen. Aber: einen Schritt zurück kann letztlich nur derjenige machen, der zuvor Erfahrung in der entsprechenden Verantwortung gesammelt hat und festgestellt hat: das ist auf Dauer nicht das Richtige für mich.

Ich kenne die internen Strukturen in Ihrem Unternehmen nicht. Gibt es Ihrer Meinung nach die Möglichkeit, mit Personalabteilung und Vorgesetztem zu diskutieren, ob ein Start als Projektleiter denk- und machbar wäre, mit späterer Übernahme der Teamleiterrolle, beispielsweise nach einem Jahr? Die disziplinarische Verantwortung könnte inzwischen eventuell beim Abteilungsleiter liegen. So hätten Sie die Möglichkeit, sich zunächst einmal mit den fachlichen Komponenten einer Management-Aufgabe vertraut zu machen. Die Unternehmen sind hier unterschiedlich aufgestellt: Manche trennen das Themenfeld disziplinarische Verantwortung komplett von den mehr technisch getriebenen Leitungsfunktionen, und manche nicht. Meine Meinung ist es besser, das getrennt zu handhaben. Nicht jedem Kompetenzträger liegt auch das Thema Personalführung – das hatten wir schon einmal in einer früheren Frage diskutiert. Ein wichtiger Punkt, bei dem Sie für sich persönlich herausfinden müssen, wo Ihre Stärken liegen.

So etwas ist ja immer eine kombinierte Bauch- und Kopfentscheidung. Wenn in diesem Fall Ihr negatives Bauchgefühl überwiegt und Sie sich in etwas hineingedrängt fühlen – tun Sie es (noch) nicht. Erklären Sie Ihren Vorgesetzten warum Sie so entscheiden; dann sollten Ihnen daraus auch keine Nachteile entstehen. Was man allerdings in der Regel – außer über Altersnachfolge – nicht planen kann, ist, wann sich für Sie eine solche „nächste Chance“ im Unternehmen ergibt. Es kann natürlich sein, dass Sie sich irgendwann bereit fühlen den nächsten Schritt zu machen, und es besteht intern keine passende Vakanz. Dann heißt es entweder geduldig sein und auf die richtige Möglichkeit warten, oder die Nase in den Wind stecken und über den Tellerrand schauen, nach dem Motto: Mal schauen was sich draußen auf dem Arbeitsmarkt bewegt.

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

In absehbarer Zeit werde ich mit meiner Partnerin zusammenziehen und dafür auch das Bundesland wechseln. Bisher habe ich vier Jahre lang als Entwickler in der Automobil-Branche gearbeitet. Gerne möchte ich mit dem Standortwechsel nun auch einen nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen und mich auf Stellen als Projekt- oder Teamleiter bewerben. Hier reizt mich die fachliche bzw. disziplinarische Führungsverantwortung.

Da mir jedoch die Automotive-Branche in den letzten Jahren zu „trendy“ und zu wenig nachhaltig erschien, möchte ich ihr den Rücken kehren: raus aus dem dynamischen und zuweilen auch hektischen Automotive-Geschäft und hin zur nachhaltigeren, stärker ökologisch geprägten Möglichkeiten.

Vielleicht kann ich ja als Quereinstiger in der Energiebranche Fuß fassen? Es wäre natürlich perfekt, meine beiden Wünsche – Führungsposition und neue Branche – miteinander zu verbinden. Wie sollte ich vorgehen, damit es klappt?

 

Sehr geehrter Fragesteller,

da haben Sie sich viel vorgenommen! Erst einmal meinen Glückwunsch: es ist doch einfach schön, wenn man seinen Partner / seine Partnerin nicht mehr nur am Wochenende sieht, sondern sich gemeinsam ein Leben aufbauen und einrichten kann. Bei Ihnen ist das nun noch verbunden mit Umzug und Jobwechsel. Ein spannender Lebensabschnitt, der da gerade auf Sie zukommt!

Wie ich Ihren Ausführungen und auch Ihrem angehängten Lebenslauf entnehmen kann, haben Sie sich während der letzten vier Jahre schon ordentliche Sporen in Ihrem Berufsleben verdient. Als Entwickler im Bereich Funktionale Sicherheit haben Sie offensichtlich gute Arbeit geleistet und durften auch schon Projekterfolge feiern.

Nun haben Sie sich überlegt, dass es Zeit wäre für einen nächsten Schritt, was absolut nachvollziehbar ist. Eine Projektleitungsaufgabe mit erster fachlicher Führungsverantwortung  würde nahe liegen, vielleicht auch gleich eine Team- oder Gruppenleitung. Wobei ich hier gerne ein erstes Mal einhaken möchte: Nicht jedem guten und kompetenten Fachexperten ist auch das Thema Personalverantwortung und Menschenführung in die Wiege gelegt. Und das muss auch gar nicht sein: Ein erfolgreicher Berufsweg kann genauso gut von umfassender fachlicher Verantwortung geprägt werden. Sie stehen auf Ihrem Karrierepfad momentan genau an der Stelle, an der Sie diese Entscheidung treffen und den Wegweiser für Ihre künftige Ausrichtung setzen. Hören Sie gut in sich hinein, und fragen Sie sich, was Sie am meisten motiviert und woraus Sie wirklich Freude an Ihrer Arbeit ziehen.

Eine Teamleiter-Aufgabe kann viel Spaß machen; man muss sich nur klar darüber sein, dass man sich ein Stück weit vom rein fachlichen Kernprozess entfernt. Das ist zwangsläufig der Fall und bedingt durch zusätzliche Aufgaben, die Sie dann wahrnehmen müssen: neben Führungsverantwortung wären da Reporting in die entsprechenden Gremien, ebenso Budget- und Kostenverantwortung – also wesentlich mehr betriebswirtschaftliche Aspekte als bisher. Wenn man das bewusst anstrebt, ist dieser Spannungsbogen durchaus interessant und erfüllend.

 

 

 

 

So weit so gut – nun schreiben Sie, dass Sie aber am liebsten auch gleichzeitig noch die Branche wechseln möchten.

Lassen Sie uns hier zusammenfassen: Sie wechseln ja schon definitiv Ihren Standort und ziehen in ein anderes Bundesland. Das bedeutet erschwerte Bedingungen für Ihr privates Umfeld, Freunde und Familie trifft man nicht mehr ganz so häufig, es gilt ein neues soziales Netz aufzubauen. Oft ticken die Menschen in einem anderen Landstrich ja auch ein wenig anders – was generell kein Problem ist, aber manchmal das Eingewöhnen etwas schwieriger macht. Zudem werden Sie definitiv ein neues berufliches Umfeld haben, das steht ebenso fest. Also – sollten Sie nicht zumindest zunächst mal noch an EINEM Baustein festhalten, auf den Sie zählen können – nämlich Ihre Fachexpertise? Neuer Wohnort, neuer Arbeitgeber, neue und unbekannte Aufgabenstellungen und Herausforderungen plus neue und bisher unbekannte Branche – das wären mir persönlich zu viele „Unbekannte“ in der Gleichung.

Mein Rat ist:  Bauen Sie auf Ihre Kompetenz. Dazu bieten sich zwei Wege an:

  1. Entweder Sie halten – zumindest noch für diesen kommenden Wechsel – an Ihrer Branche fest und verändern sich innerhalb Automotive. Hier spricht gar nichts dagegen, dass Sie eine Aufgabe mit (fachlicher und/oder disziplinarischer) Führung anstreben.
  2. Oder: Wechseln Sie die Branche, suchen Sie sich aber zunächst einmal eine Aufgabe, in der Sie Ihr erworbenes Wissen gezielt und souverän einsetzen können. Somit landen Sie auf einigermaßen sicherem Terrain und haben die Chance, Ihr neues Umfeld kennenzulernen und einschätzen zu können. Sie werden feststellen, dass die Wirtschaftszweige durchaus unterschiedlich „ticken“ und man auch anders agieren muss. Das Automotive-Geschäft ist sehr flexibel und weist eher kurze Entwicklungszyklen auf. Großserienproduktion steht auf der einen, individuelle (Einzel-)Fertigung auf der anderen Seite. Das verlangt selbstredend nach differenzierten Herangehensweisen. Auf der Ebene eines Senior oder Lead-Engineers könnten Sie hier Ihre ganze Fachexpertise unter Beweis stellen und, nachdem Sie sich ins neue Umfeld eingearbeitet und die Unternehmenskultur kennengelernt und verstanden haben, Ihren gewünschten Karrierepfad weiter verfolgen.

 

Zwischen Ihren Zeilen lese ich, dass Ihr Wunsch eines Branchenumstiegs stärker ausgeprägt ist als der nach sofortiger Übernahme von Führungsverantwortung. Das würde sich gut ergänzen mit einem Trend im Bereich Erneuerbare Energien: Dort werden vermehrt Quereinsteiger gesucht – frischer Wind und neue Denkansätze sind gefragt. Das könnte Ihnen gut doch in die Karten spielen, oder?

Wahrscheinlich sagen Sie jetzt: „Ganz schön konservativ, die Frau Freund.“ So mag meine Antwort durchaus wirken – aber als Beraterin und selbstständige Unternehmerin habe ich gelernt, nicht zu schnell zu viel zu wollen. Auch ich setze mir ehrgeizige und anspruchsvolle Ziele – aber ich muss in der Lage sein, sie auch Schritt für Schritt zu erreichen. Wenn die Trauben zu hoch hängen, hat man schnell keine Lust mehr, neuen Anlauf zu nehmen und weit zu springen. Ich denke, Sie wissen was ich meine.

Ihnen ganz viel Glück und Erfolg beim nächsten beruflichen Schritt!

 

Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der InnoTech Medien GmbH, beantworte ich im Magazin „eb Elektrische Bahnen“ unter der Rubrik Ausbildung und Karriere die Fragen der Leser rund um das Themenfeld Bewerberfragen/Karrierecoaching.

Im Frühjahr 2017 ging es dabei speziell um den Arbeitsmarkt für Ingenieure.

Den kompletten Artikel finden sie hier.

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

Frage:

„Ich bin 26 Jahre alt und werde nach dem kommenden Sommersemester mein Studium des Verkehrsingenieurwesens beendet haben. Natürlich bin ich jetzt schon auf der Suche nach entsprechenden zukünftigen Arbeitgebern und lese diverse Stellenausschreibungen. Allerdings wird dort immer erwartet, bereits Berufserfahrung mitzubringen. Mir scheint es, als gäbe es nirgends Stellenangebote für Absolventen. Zwar habe ich während des Studiums zwei Praktika (in Summe fünf Monate) absolviert, aber eine wirkliche Berufserfahrung kann ich deswegen noch lange nicht vorweisen. Macht es Sinn, sich auf solche Stellen überhaupt zu bewerben bzw. wie soll ich mit diesem Mangel an Erfahrung umgehen?”

 

Hallo lieber Fragesteller,

mit dieser Frage bin ich regelmäßig in meinen Coaching-Gesprächen und bei Recruiting-Events konfrontiert. Oft spürt man bei den Bewerbern bereits nach kurzer Zeit der Jobsuche erste Anzeichen von Frustration und Selbstzweifel. Das ist natürlich Gift für ein souveränes und authentisches Auftreten; deshalb möchte ich die wesentlichen Kriterien, auf die Sie als Berufseinsteiger im Suchprozess achten sollten, hier einmal systematisch darstellen.

Wir kennen das alle: Jobangebote enthalten in den meisten Fällen den Wunsch nach Berufserfahrung. Achten Sie hier auf die genaue Formulierung und fokussieren Sie sich auf die „Kann-Option“. Ein Beispiel:
„Mehrjährige Berufserfahrung ist für diese Aufgabe zwingend erforderlich“ – hier macht es in Ihrer Situation eher keinen Sinn, Energie auf eine Bewerbung zu verwenden.
„Mehrjährige Berufserfahrung wünschenswert“ – hier besteht durchaus die Chance, in die engere Wahl zu kommen – mit entsprechend aussagekräftigen Unterlagen:

Praktika sind mittlerweile ja fester Bestandteil der allermeisten Studiengänge und stellen tatsächlich so etwas wie eine erste Berufserfahrung oder, besser ausgedrückt, Praxisberührung dar. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie diese Phasen immer gut detailliert und klar erläutern. Wo und in welcher Rolle waren Sie als Praktikant tätig? Was genau waren die Inhalte? Ebenso interessant kann eine Werkstudententätigkeit sein und muss daher einen festen Platz im Lebenslauf haben.

Auslandssemester und Auslandspraktika: Das ist ein ganz zentraler Erfolgsfaktor für den Berufseinstieg. Auslandsaufenthalte signalisieren den Unternehmen zum einen, dass der Bewerber über nützliche Sprachkenntnisse verfügt, denn ohne Englisch geht ja fast nichts mehr. Zum anderen zeugt dieser Schritt von einer gewissen Selbstständigkeit, Offenheit und Flexibilität –  Soft-Skills, die ein wichtiges Einstellungskriterium bilden und daher nicht zu vernachlässigen sind.

Keinen Sinn macht es hingegen, wahllos Praktika zu absolvieren, nur um möglichst viel nachweisen zu können.  Gehen Sie hier fokussiert vor und wählen Sie möglichst fachnahe Tätigkeiten.

Relevant sind auch Projekte an der Universität, in welchen man schon erste Erfahrungen in Projektarbeit oder gar -leitung sammeln konnte. Ebenso zählen ehrenamtliche Engagements dazu –  dort lernt man oft so wichtige Fähigkeiten wie Organisieren und Koordinieren einzusetzen.

Haben Sie zur Finanzierung Ihres Studiums Nebenjobs ausgeübt? Auch dies kann als Indiz Ihrer Eigenständigkeit und Zielorientierung gewertet werden und nicht selten eine wertvolle Praxiserfahrung darstellen.

Ich stelle immer wieder fest: Bei sehr vielen Unternehmen wiegen die „weichen“ Kriterien – Ihre Persönlichkeit, Ihr Auftreten, Ihre soziale und emotionale Kompetenz – mehr als die fachlichen Grundlagen beim Berufseinstieg. Der Grund liegt auf der Hand: Sie werden sehr rasch in – häufig interkulturelle – Teams integriert, arbeiten vielleicht in einer Matrixstruktur mit vielen unterschiedlichen Schnittstellen und übernehmen nach kurzer Zeit schon gewisse (Teil)-Projektleitungsaufgaben. Kriterien wie Teamfähigkeit, Strukturiertheit und Organisationstalent, Konfliktfähigkeit, Kooperation und Überzeugungskraft sind in solchen Situationen überlebenswichtig und können vom Unternehmen nicht ohne eine entsprechend vorhandene Basis vermittelt werden – fachliches Know-how dagegen schon.

Und noch ein Rat: Fassen Sie den Wunsch der Unternehmen nach Berufserfahrung nicht als „Vorwurf“ auf, sondern als legitimes Ansinnen für eine optimale Stellenbesetzung.

Entkräften Sie das Argument mit selbstbewusstem Auftreten. Vergessen Sie nicht: Sie haben ein anspruchsvolles Studium absolviert – und dies mit guten bis sehr gutem Erfolg. Darauf können Sie stolz sein! Stellen Sie klar und deutlich dar, welche Fähigkeiten Sie bereits im Studium erworben haben. Präsentieren Sie sich und Ihre Skills authentisch und durchaus offensiv! Stellen Sie einen persönlichen Bezug zu der Stelle her. Signalisieren Sie: „Ich traue mir das zu!“

Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn es nicht immer gleich mit einer unbefristeten Festanstellung klappt. Industrie und Wirtschaft nutzen mittlerweile intensiv die Vorteile von befristeten Verträgen und Arbeitnehmerüberlassung. Aber hier bitte nicht gleich die Nase rümpfen – gerade für Absolventen kann es spannend und interessant sein, über solche projektbezogene Tätigkeiten verschiedene Unternehmen kennenzulernen und dort Erfahrung zu sammeln.

Wie flexibel sind Sie? Häufig beschränken sich die jungen Bewerber auf einen Radius rund um ihren aktuellen Wohnort oder sie nehmen nur die ganz großen Player in der jeweiligen Branche ins Visier. Meine Erfahrungswerte zeigen hier ganz klar: Viele „hidden champions“, spannende und überaus zukunftsorientierte Unternehmen sind in ländlicher Umgebung auf der grünen Wiese anzutreffen! Ich weiß, das ist eine schwere Entscheidung, denn man arbeitet ja nicht nur – man will ja auch seinen Freundeskreis nicht verlieren und am Abend und Wochenende Spaß haben. Aber oft ist es gar nicht so schwierig, hierfür einen gut funktionierenden Kompromiss zu finden, zum Beispiel mit einer Wohnung auf halbem Weg!

 

Unschlagbares Kriterium: Kontakte und Netzwerke.
Erzählen Sie möglichst vielen Freunden und Bekannten von Ihrer Jobsuche. Nutzen Sie Jobmessen an Ihrer Uni und Recruiting-Events in Ihrer Nähe, ebenso wie Fachveranstaltungen und Symposien. Verlassen Sie sich nicht nur auf Stellenanzeigen, die Sie entdecken, nutzen Sie auch das Internet (XING etc.) und Ihre privaten Netzwerke für Ihre Suche – machen Sie sich „sicht-bar“!

Viel Erfolg Ihnen – das wird klappen!

Fragen aus Coaching und Karriereberatung

Bei meinen Aktivitäten als beruflicher Coach sowie bei diversen Veranstaltungen, bei denen ich in der Laufbahnberatung aktiv bin, haben sich mit der Zeit bestimmte Themen herauskristallisiert, die immer wieder Fragen aufwerfen.

Ich stelle hier einige spannende Fragestellungen zusammen, die auch für die Besucher meiner Homepage von Interesse und von Nutzen sein könnten.

 

FRAGE:

Ich möchte mir bei einer der Online-Plattform für das Business-Networking einen Account anlegen. Primär denke ich dabei an Xing oder LinkedIn.

Hier stellt sich schon die erste Frage: Wo liegen die Unterschiede der Portale und soll ich mich bei beiden Portalen anmelden?

Ich frage mich nun natürlich auch, welche Angaben dort überhaupt relevant sind und ob ich alle Stationen meiner „Karriere“ ab der Grundschule dort hinterlegen soll. Zudem ist mir nicht ganz klar, wie das Netzwerken auf solchen Portalen tatsächlich funktioniert und welche Chancen sich mir hierbei zusätzlich eröffnen.

Ist das wirklich nachhaltig oder eher ein Firmen-Facebook? Bislang habe ich die knapp zwanzig Jahre in der Branche auch gut ohne Xing und Co überlebt, aber man will sich ja nicht abhängen lassen.

 

Lieber Fragesteller,

die von Ihnen angesprochenen Plattformen XING und LinkedIn sind Marktführer im Bereich der Online-Business-Netzwerke. Die Betonung liegt dabei klar auf dem Wort Business – für private Kontakte ist Facebook definitiv der bessere Ort. Entsprechend ist auch deren Nutzung, die mittlerweile einen absolut professionellen und nachhaltigen Stellenwert im Geschäftsleben einnimmt.

Der Unterschied zwischen XING und LinkedIn liegt zunächst einmal vor allem in Größe und Verbreitung: LinkedIn ist mit über 500 Millionen Usern (ca. 11 Mio. in DACH) das weltweit größte Business-Netzwerk und sehr international geprägt. XING hat derzeit 15 Millionen Mitglieder und ist speziell im D/A/CH-Bereich (Deutschland, Österreich, Schweiz) stark vertreten. Also ist schon mal klar: wer internationale Kontakt-Möglichkeiten sucht, hat mit LinkedIn die besseren Chancen. Auf den deutschen Markt bezogen hat nach wie vor XING die Nase vorn.

Es wäre noch interessant zu wissen, welche Intention Sie mit dem Einstieg in eine solche Online-Plattform verknüpfen: Geht es Ihnen darum, neue Kontakte zu knüpfen, sich Netzwerke zu erschließen und sich innerhalb der Branche über Fachthemen auszutauschen? Oder möchten Sie auch mal jobtechnisch über den Tellerrand schauen und herausfinden, welche Chancen Sie aktuell am Markt haben?

Wenn Sie das Netzwerk als Austausch- und Gruppen-Plattform nutzen möchten, werden Sie sich rasch selbst zurechtfinden: Durch die Angaben, die Sie in Ihrem Profil hinterlegen (darauf komme ich gleich nochmal zurück), werden Ihnen automatisch passende Foren angeboten.

Im Lauf der Zeit wird sich Ihr Netzwerk sukzessive erweitern. Haben Sie zum Beispiel auf einer Fachmesse oder einem Seminar einen interessanten Menschen kennengelernt, den Sie zudem noch sympathisch finden? Dann bietet es sich doch an, sich über XING und Co. zu vernetzen und so auf unkomplizierte Weise in Kontakt zu bleiben. Ebenso werden Sie von anderen Mitgliedern Kontaktanfragen erhalten – die Sie jedoch nicht zwangsläufig akzeptieren müssen, das entscheiden alleine Sie.

 

Reden wir jetzt genauer über das Thema „Nutzung als Karriereplattform“. Das ist natürlich ein relativ bequemer Weg, jobtechnisch mal  die Nase in den Wind zu halten – also sich suchen zu lassen / gefunden zu werden, ohne gleich den gesamten Ablauf einer „offiziellen“ Bewerbung in Gang zu setzen. Ich nehme hier einmal den Profileintrag in XING als Beispiel:

Ein Erfolg steht und fällt mit den Angaben, die Sie in Ihrem Profil hinterlegen: Es muss ein klares, transparentes und aussagekräftiges Bild von Ihnen daraus hervorgehen.

Ihre Berufserfahrung sollte eine Kurzform Ihres Lebenslaufs darstellen: rein auf die berufliche Tätigkeit konzentriert, angefangen bei Ausbildung bzw. Studium. Gerne mit aussagekräftigen Details:

Näheres zu Projekten, an denen Sie mitgewirkt oder die Sie gemanagt haben, spezielle Erfolge und so weiter.

Je klarer Sie hier sind, desto größer ist die Chance, dass man Sie findet. Vergegenwärtigen Sie sich, das Personaler aus Unternehmen ebenso wie Personalberater / Headhunter auf der Plattform gezielt nach bestimmten Schlagwörtern suchen. Arbeiten Sie deshalb mit Schlüsselbegriffen.

Nennen Sie Ihre jeweiligen Arbeitgeber, samt Größe und Angabe der Homepage.

Geben Sie Ihren Wohn- bzw. Arbeitsort an und am besten auch den Radius, in dem Sie örtlich mobil sind. So vermeiden Sie, Angebote aus Regionen zu erhalten, die für Sie nicht in Frage kommen.

Geben Sie Ihre Sprachkenntnisse an.

Ein Foto hilft für den ersten persönlichen Eindruck sehr – und zwar eine gut gemachte, professionelle Aufnahme!

Nutzen Sie auch den Bereich: „Ich suche… / Ich biete“.  Ich suche: Drücken Sie kurz und konkret aus, woran Sie interessiert sind. Ich biete: wecken Sie mit prägnanten Worten die Neugier auf Ihre Person!

Noch ein Wort zum Thema Hobbys / Private Interessen: Überlegen Sie gut, was Sie zu diesem Punkt von sich preisgeben möchten. Geben Sie einen kurzen Einblick, womit Sie sich in Ihrer Freizeit beschäftigen oder was Ihnen am Herzen liegt. Meiner Meinung nach sind beispielsweise politische Gesinnungen oder religiöse Mitgliedschaften zu persönlich, um hier genannt zu werden.

 

Zudem haben Sie die Möglichkeit, Ihren Status zu definieren: von „Aktiv auf Jobsuche“ über „Nicht auf Jobsuche, offen für Angebote“ bis hin zu „Derzeit nicht an Jobangeboten interessiert“ können Sie die Reaktionen auf Ihr Profil ein Stück weit steuern und kanalisieren.

Wenn Sie beispielsweise bei XING den geschützten Bereich „Pro Jobs“ auswählen, können Sie Ihre Berufswünsche sehr detailliert hinterlegen und schließen durch die eingeschränkte Sichtbarkeit gleichzeitig aus, dass diese Punkte für Kollegen oder Vorgesetzte aus Ihrem aktuellen Unternehmen abrufbar sind.

Viele weitere Tipps finden Sie auch direkt auf der Website des jeweiligen Anbieters.

Das Thema „Einstellungen“ ist ebenfalls ein wichtiges: Hier entscheiden Sie, wer Ihr Profil lesen kann, von wem Sie gefunden werden möchten (Privatsphäre), wann / wie oft / welche Informationen Sie erhalten möchten und so weiter. Sie werden merken: Das ist keine einmalige Sache, sondern ein laufender und sich verändernder Prozess. Mit etwas mehr Routine werden Sie hier sinnvolle Feinjustierungen vornehmen können.

Ebenso werden sie mit der Zeit herausfinden, wie Sie Ihr Profil interessant und attraktiv gestalten, um die richtigen Leute auf sich aufmerksam zu machen. Es geht ja nicht darum, möglichst viele Profilbesucher und Kontakte zu haben – das Ganze sollte sich für Sie persönlich als zielführend und nutzbringend erweisen.

Die Portale bieten immer die Möglichkeit einer kostenlosen Basis-Mitgliedschaft. Das wäre vielleicht für Sie zum Start eine gute Option – sollten Sie dann im Verlauf feststellen, dass Ihnen dieses oder jenes Feature, ein Zugriff oder für Sie relevante Infos fehlen, können Sie immer noch über eine kostenpflichtige „Premium“-Version nachdenken (ProJobs ist auch so eine) – was ich Ihnen, um ein optimales Ergebnis zu erreichen, empfehlen würde.

Wie auch immer Ihre Wahl ausfällt und egal wo Sie Ihr Profil einstellen – wichtig ist, dass Sie es pflegen und stets up-to-date halten, damit es Ihnen auch tatsächlich den gewünschten Nutzen bringen kann.

Ebenso essentiell ist die Einhaltung eines gewissen Kommunikationskodex: Man antwortet auf Angebote und Kontaktanfragen und lässt sie nicht versanden. Dabei ist ein kurzes, höflich begründetes Nein absolut akzeptiert und überhaupt kein Problem.

Natürlich werden Sie die nächsten Jahre auch ohne XING und Co. beruflich überleben. Es kommt darauf an, wie man es sieht: die Online-Portale können eine Bereicherung des Berufslebens darstellen, indem sie Wissen und Netzwerke erweitern und die Möglichkeiten am Markt aufzeigen. Und es ist wie so oft im Leben: Man muss diese Instrumente richtig für sich zu nutzen wissen, damit man sich nicht überflutet und genervt fühlt, sondern das gewünschte Ergebnis damit erzielt.

Ich hoffe ich habe Sie mit meiner Antwort eher dazu ermutigt, ins Online-Networking einzusteigen – es ist eine interessante Sache und erweitert den eigenen Horizont.

Ich wünsche gutes Gelingen!