Kommentar Hilde Freund

Der Chef steht in der Tür, am Telefon braucht der Kollege wichtige Infos und eine eilige E-Mail will auch sofort beantwortet werden. Multitasking, also das parallele Managen mehrerer Aufgaben zur gleichen Zeit, scheint mittlerweile zur Selbstverständlichkeit in der Arbeitswelt geworden zu sein.

Viele Arbeitnehmer sind mit teilweise hoch komplexen und facettenreichen Aufgabenstellungen konfrontiert. Speziell im Umfeld des Projektmanagements und der Projektleitung haben die Verantwortlichen oft mehrere „Hüte“ parallel auf, bearbeiten verschieden große Projekte in unterschiedlichen Phasen und mit differenzierten Themenstellungen. „Das ist heute so“, heißt es meistens. Doch: Ist man denn tatsächlich in der Lage, hier stets beste Leistungen abzurufen und alle Aufgaben gleich gut zu erfüllen?

Viele von uns sind ständig erreichbar, meistens online und so gut wie immer ansprechbar. Wie gehen wir mit diesem Phänomen Multitasking am besten um? Was ist besser: gleichzeitig oder nacheinander? Und was machen die ständigen Arbeitsunterbrechungen mit uns und unserer Arbeitsqualität?

Die Meinungen hierüber gehen extrem auseinander, manche Experten sehen darin auch eine der Hauptursachen für krankmachenden Stress am Arbeitsplatz. Klassisches Beispiel: Gerade entsteht eine prima Idee, ein „Geistesblitz“ – und im gleichen Augenblick klingelt das Telefon oder es läutet an der Tür. Ehe man sich versieht, ist der Gedanke weg – oft genügt schon eine kurze Ablenkung. Solche Störungen, die zu Arbeitsunterbrechungen führen, erleben wir alle häufig. Eine Arbeitsunterbrechung ist als „durch eine externe Quelle verursachte Aussetzung der ausgeführten Aufgabe“ definiert – und damit logischerweise weder zeitlich steuerbar noch wirklich vorhersehbar. Im Arbeitsleben sind wir häufig gezwungen, mit diesen Unterbrechungen klarzukommen. Wobei wir auch beim Multitasking nicht verschiedene Informationen gleichzeitig verarbeiten, sondern (meist unbewusst) sehr schnell zwischen den einzelnen Aufgaben hin und her wechseln. Weil das aber so schnell geht, wird es als gleichzeitig wahrgenommen. In Wirklichkeit ist es aber auch hier ein „Nacheinander“, weil wir uns tatsächlich nur auf eine Aufgabe konzentrieren können.

Der Mensch scheint nicht dafür gemacht, viele Informationen parallel zu verarbeiten und über mehrere Kanäle gleichzeitig zu kommunizieren. Einschlägige Tests beweisen, dass „Multitasker“ Informationen, die auf sie einströmen, aber nichts mit ihrer aktuellen Tätigkeit zu tun haben, schlecht ausblenden können. So werden sie von momentan unwichtigen Dingen abgelenkt und arbeiten letztlich langsamer und mit schlechteren Ergebnissen. „Multitasking funktioniert nicht“ – diese Aussage wurde inzwischen von Wissenschaftlern, Coaches und Trainern getroffen, die sich auf Zeit- und Ressourcenmanagement sowie Stress- und Burnout-Prävention spezialisiert haben. Wer seine verfügbaren Ressourcen auf mehrere parallele Aufgaben aufteilt, überfordert sich selbst und kann seine Konzentration nicht auf eine Sache bündeln.

Aber wir können der Realität nicht ausweichen – deshalb sollten wir versuchen, unseren Tagesablauf bestmöglich zu gestalten, um uns auf die jeweils im Vordergrund stehende Aufgabe fokussieren zu können.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar